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Bildung für alle

Der Gedanke der ökonomischen Verwertbarkeit ist in allen Bildungsinstitutionen präsent – sei es nun durch die Vermittlung von Herrschaftswissen an Schulen, die voranschreitende Umwandlung zur unternehmerischen Hochschule oder dem Missbrauch des lebenslangen Lernens als Selbstoptimierungszwang, um sich selbst besser auf dem Arbeitsmarkt verkaufen zu können. Dabei spielen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Menschen, die in Sachsen (aus)gebildet werden sollen, selten eine Rolle. Hochschulen stellen auch schon lange keine Orte der kritischen Selbstreflexion und Persönlichkeitsentwicklung dar. Es wird somit deutlich, dass es einen radikalen Richtungswechsel in der sächsischen Bildungslandschaft braucht, der es ernst meint, Menschen zum selbstständigen Leben und kritischen Denken zu befähigen.

Eine inklusive Schule für alle!

Ein erster Schritt ist es, KiTas, Schulen und Hochschulen in privater Trägerschaft konsequent abzuschaffen und Bildung komplett kostenfrei auszugestalten. Eine wirklich emanzipatorische Bildung kann außerdem nur gelingen, wenn Schüler_innen nicht mehr nach der vierten Klasse getrennt werden – das sorgt nämlich nicht etwa für eine optimale und differenzierte Förderung von Schüler_innen, sondern lediglich für eine verstärkte soziale Separierung der Gesellschaft. Die Einführung einer Gemeinschaftsschule für alle bedeutet, das gemeinsame Lernen der Schüler_innen bis mindestens zur 10. Klassenstufe zu fördern. Die gegenseitige Unterstützung dient dabei nicht nur der Festigung des Wissens, sondern auch der Stärkung sozialer Kompetenzen. Es bedeutet, dass Förderschulen perspektivisch abgeschafft werden müssen. Dem Leitgedanken der Inklusion folgend muss es für alle Menschen in Sachsen – egal ob mit oder ohne zugeschriebener Beeinträchtigung – möglich sein, an Bildung teilzuhaben. Zur Bewerkstelligung dieser Aufgabe sollen ausreichend Sonderpädagog_innen neben Lehrer_innen im Klassenverbund mitwirken. Auch muss sichergestellt werden, dass es an allen Schulen genügend Sozialarbeiter_innen und Psycholog_innen gibt, die die Schüler_innen in ihrer Entwicklung unterstützen. Um eine ständige Erreichbarkeit der Schule gewährleisten zu können, fordern wir die Ausweitung der ÖPNV-Anbindung an Schulen und stellen uns gegen jegliche Schulschließungen, sodass sich Schulwege nicht verlängern.

Noten abschaffen, alternative Lehrkonzepte fördern

Lehrkräfte sollen regelmäßig an methodischen und didaktischen Weiterbildungen teilnehmen, um den Einsatz von Frontalunterricht zu minimieren. Regelmäßige inner- und außerschulische Projekttage, Exkursionen und Vorträge sollen den Unterricht zusätzlich bereichern. Dabei soll das Land finanzielle Unterstützung für Familien leisten, die sich solche Veranstaltungen sonst nicht leisten könnten.

Lehrinhalte und -ziele werden derzeit ohne Beteiligung und Beachtung der Bedürfnisse der Schüler_innen gestaltet. Lehrkräfte sollen die Lernenden unterstützen, statt sie anzuleiten, sollen Selbstbestimmung ermöglichen, statt Inhalt und Methode vorzugeben. Eine Möglichkeit zur Umsetzung dessen können Rahmenpläne darstellen. Es soll umfangreiche, abgestufte und verbindliche Festlegungen darüber geben, was an Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Fächern und Lernbereichen notwendig ist, um in der jeweiligen Lebenswelt kompetent zu handeln. Mit einem Grundgerüst und der Orientierung an den Möglichkeiten der Lerninhalte kann dann jede_r Schüler_in selbstbestimmt entscheiden, was wie vertieft wird. Zudem fordern wir die Abschaffung von Noten als Bewertungsmethode (da diese seltenst etwas über die wirkliche Eignung von Schüler_inen in den jeweiligen Fachrichtungen aussagen) und bevorzugen andere Wege, etwa das Ausstellen von Lernentwicklungsberichten.

Dem laizistischen Grundgedanken verpflichtet fordern wir auch die Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichts und stattdessen die Einführung eines konfessionsneutralen ethisch-philosophischen Fachs, in dem auch Religionen vorgestellt, aber nicht beworben werden. Damit geht auch unsere weitergehende Forderung der Abschaffung aller kirchlichen Schulen einher.

Ohne Bundeswehr ist alles gut

Noch immer ist es Normalität, dass die Bundeswehr an Schulen für sich wirbt. Auch ist sie bei sogenannten Karrieremessen an Hochschulen eine stete Vertreterin. Wir fordern daher ein Verbot für die Bundeswehr, sich an Bildungsinstitutionen zu präsentieren. Weiterhin wollen wir Zivil- und Transparenzklauseln für Hochschulen, sodass militärische Forschung an sächsischen Hochschulen verhindert wird und gleichzeitig alle Mitglieder der Hochschule die Möglichkeit haben, sich über alle Forschungsvorhaben an ihrer Hochschule zu informieren.

Hochschulen ausfinanzieren!

Die sächsische Hochschullandschaft war bis 2017 beständig mit Kürzungen konfrontiert und auch jetzt fehlt das Geld an allen Ecken: Prekäre Beschäftigungen der wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen, fehlende Mittel für die angemessene Bezahlung von Lehrbeauftragten, keine Tarifverträge für studentische Hilfskräfte. Statt eine ausreichende Grundfinanzierung durch das Land zu bekommen, müssen die Hochschulen untereinander in Konkurrenz um Drittmittel treten. Bundesprogramme, die nur ausgesuchten Hochschulen zukommen, lehnen wir ab und fordern eine dauerhafte Beteiligung des Bundes an der Grundfinanzierung aller Hochschulen. Für verlässliche Perspektiven müssen Hochschulentwicklungspläne auf Augenhöhe verhandelt und ein gerechtes Finanzierungsmodell entwickelt werden.

Numerus clausus abschaffen!

Der Hochschulzugang ist immer noch stark selektiv und viele Studienfächer nehmen den Abiturdurchschnitt als Maßgabe, um Studieninteressierte zum Studium zuzulassen. In Anlehnung an unsere Forderung, Noten abzuschaffen, plädieren wir für die Abschaffung des Numerus clausus. Jede_r soll studieren können, was er_sie möchte. Aufgabe des Landes und der Hochschulen muss es sein, dies zu ermöglichen, bspw. durch sinnvolle Eignungstests.

Hochschulgesetz umkrempeln

Das damals durch schwarz-gelb novellierte Hochschulgesetz hat die Hochschulen noch mehr dazu genötigt, wie ein Unternehmen agieren zu müssen, als ihren originären Aufgaben nachzugehen. Viele Kompetenzen des Senats wurden auf Rektorat und Hochschulrat übertragen, die verfasste Studierendenschaft wurde geschwächt, diskriminierende Studiengebühren sind hinzugekommen. Die SPD hat es nicht geschafft, die Missstände zu beheben. Wir fordern eine umfassende Novellierung dieses Gesetzes hin zu einer demokratischeren Hochschullandschaft. Wir wollen die Abschaffung aller Studiengebühren, die Streichung der Austrittsoption aus der Verfassten Studierendenschaft und die Abschaffung des Hochschulrats. Wir wollen unendlich viele Prüfungsversuche für Studierende, und mindestens paritätische Besetzung der demokratisch gewählten Gremien.

Wir fordern daher unter anderem:

  • Kostenlose Bildung für alle
  • Eine inklusive Gemeinschaftsschule für alle
  • Abschaffung aller privaten und kirchlichen Bildungsinstitutionen
  • Abschaffung aller Noten
  • Offener Hochschulzugang für alle
  • Ausfinanzierte Hochschulen
  • Novellierung des Hochschulgesetzes
  • Zivil- und Transparenzklauseln für Hochschulen

Zur linksjugend [´solid] Sachsen