Vom schweren Anfang in Zwickau – Teil 1

Wir möchten uns für die Zusendungen von alten Büchern der DDR bedanken. Nachdem wir uns die Bücher angesehen haben werden wird dazu zu jedem Buch einen kleinen Ausschnitt veröffentlichen.


Vom schweren Anfang in Zwickau 1945/1946

„Das Ringen der Genossen in der Stadt und im Kreis Zwickau um die Vereinigung von KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“

„Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands ging aus dem mehr als hundertjährigen Kampf der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung gegen feudale Reaktion und kapitalistischen Ausbeutung, gegen Imperialismus und Militarismus, Faschismus und imperialistischen Krieg hervor. Sie verkörpert die revolutionären Traditionen des Bundes der Kommunisten und der revolutionären deutschen Sozialdemokratie. Sie setzt das Werk der Kommunistischen Partei Deutschlands fort und erfüllt das Vermächtnis der antifaschistischen Widerstandskämpfer. Sie ist die Erbin alles Progressiven in der Geschichte des deutschen Volkes.“

Aus dem Programm der Sozialsozialistischen Einheitspartei Deutschlands


Vorwort

„Anschaulich schildert der Autor, wie bereits unmittelbar nach der Einnahme Zwickaus durch amerikanische Truppen die Kommunisten und klassenbewusste Sozialisten – damals noch großenteils unter illegalen Bedingungen arbeitend – sich zu festerAktionseinheit zusammenschlossen haben und in engem Zusammenwirken mit anderen Antifaschisten die Lösung der dringlichsten Lebensfragen in Angriff nahmen. Jedoch erst ab Anfang Juli 1945, nach der Besetzung der Stadt und des gesamten Kreis Zwickau durch die Rote Armee, könnten sich die antifaschistisch-demokratischen Kräfte dank des Befehls 2 der SMAD auch in Zwickau frei entfalten. …

Die Zeit des komplizierten Neubeginnens vor allem auch jenen Bürgern unserer Stadt und des Kreises Zwickau, die sie nicht oder zumindest nicht bewusst miterlebten, lebendig werden zu lassen und dabei zugleich den unermüdlichen, aufopferungsvollen Einsatz der Aktivisten der ersten Stunde zu würdigen, ist ein Anliegen dieser Broschüre. Sie soll beitragen, auch aus unserer örtlichen Geschichte Kraft zu schöpfen, die der X. Parteitag der SED abstecken wird, um die entwickelte sozialistische Gesellschaft weiter zu gestalten und so grundlegendeVorraussetzungen für den allmählichen Übergang zum Kommunismus zu schaffen. Und dafür, liebe Bürger der Stadt und des Kreises Zwickau, wünsche ich uns allen viel Erfolg.“


1. Das Ende der faschistischen Herrschaft in Zwickau

„Im Frühjahr 1945 schlug der vom deutschen Imperialismus entfesselte zweite Weltkrieg auf deutschen Boden zurück. In einer gewaltigen strategischen Offensive von der Ostsee bis zu den Karpaten überschritten vom 20. Januar 1945 bis 25. Januar 1945 die in Richtung Breslau – Dresden vorgehenden Truppen der 1. Ukrainischen Front die Grenzen Hitlerdeutschlands. Bis März erreichte die Rote Armee die Oder-Neiße-Linie. Im April 1945 begann sie mit der Berliner Angriffsoperation den entscheidenden Schlag zur Vernichtung der faschistischen Streitkräfte in Deutschland.

Während die Faschisten im Osten Deutschlands mit allen verfügbaren Kräften den Widerstand fortzusetzen, ließen sie, auf Separatabkommen mit den Westmächten hoffend, in ihrer Aktivität an der Westfront merklich nach, die dann im April 1945 faktisch zusammenbrach. Den entscheidenden Anteil am Sieg über den Hitlerfaschismus hatte die Sowjetunion. An ihrer Seite kämpfen die anderen Staaten der Antihitlerkoalition und die antifaschistische Befreiungsbewegung vieler Völker. Unter beispiellosen Opfern zerschlug die Sowjetunion die Armeen der faschistischen Mächte. 20 Millionen Sowjetbürger gaben dafür ihr Leben.

Der Sieg der Sowjetunion über Faschismus verändert das internationale Kräfteverhältnis grundlegend zugunsten des Sozialismus und sicherte, dass die mit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution eingeleitete Wende in der Menschheitsgeschichte weitergeführt werden konnte.

Das Ende der braunen Machthaber im Gebiet um Zwickau zeichnet sich schon am 13. April 1945 ab; Soldaten der faschistischen Wehrmacht hatten in der Umgebung Zwickaus mit Schanzarbeiten begonnen. Am selben Tag waren Panzertruppen der 4. Division der 3. amerikanischen Armee auf der Autobahn Eisenach-Dresden bis in den Raum Chemnitz (Karl-Marx-Stadt) vorgestoßen. Dabei streiften sie auch die nur etwa sechs Kilometer vom Kreisgebiet Zwickau entfernt liegende Stadt Glauchau, die sie am 14. April nach kurzem Kampf besetzten.

Am gleichen Tag hatten die Faschisten den Volkssturm aufgerufen. Alte Männer und Jugendliche sollten den gut bewaffneten amerikanischen Verbänden entgegentreten. Am 16. April befahlen fanatische Nazis, Zwickau bis zum letzten Mann zu verteidigen. Die Mulde wurde zur Hauptkampflinie erklärt, und im Stadtteil Oberhohndorf gingen schwere und leichte Flak in Stellung.

Am 17. April 1945 ruhte in fast allen Zwickauer die Arbeit. Auch die Seilscheiben auf den Fördertürmen der Steinkohlenschächten standen still.

´17. April 1945. Amerikanische Bomber über Zwickau. Auf der Turmspitze des Domes wird die weiße Fahne gehisst. Amerikanische Truppen besetzen die Stadt.´

In den frühen Nachmittagsstunden stießen Truppen der amerikanischen 4. Panzerarmee von Norden her auf Zwickau vor und nahmen die Gemeinden Mosel, Oberrothenbach und Crossen ein.

Sie fanden nur geringen Widerstand, denn alle Wehrmachtsverbände östlich der Mulde hatten vorher Befehl zum Rückzug in den Raum Hartenstein erhalten. Trotzdem kam es in Crossen noch zu bewaffneten Auseinandersetzungen .

Etwa zur gleichen Zeit hatten Einheiten der amerikanischen 89. Infanteriedevision, unterstützt durch Artellerie und Tiefflieger, von Westen und Südwesten her das Kriegsgebiet erreicht. In Zwickau gab es nur in der Nähe des Heinrich-Braun-Krankenhauses vereinzelten, unbedeutenden Feuerwechsel.

Bis zum 19. April nahmen die amerikanischen Truppen den Kreis Zwickau von Norden und Westen her bis ungefähr auf die Linie Niedercrinitz, Gunersdorf, Wiesen, Wiesenburg, Wildenfels ein. Die südlich davon liegenden Städte Kirchberg und Hartenstein sowie die Gemeinden Weißenbach, Bärenwalde, Hartmannsdorf bei Kirchberg, Giegengrün u. a. wurden erst später oder zeitweilig überhaupt nicht von alliierten Truppen besetzt. Eine Reihe dieser Orte gehörte dadurch einige Wochen zum sogenannten Besatzungszonen Gebiet im Westerzgebirge.

Die letzten faschistischen Verbände leisteten noch bis zum 6./7. Mai sinnlosen Widerstand, u. a. in der Gemeinde Bärenwalde.

Am 8. Mai 1945 unterzeichneten die Bevollmächtigten des Oberkommandos der Wehrmacht im Stab der Roten Armee in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation der Hitlerwehrmacht. Das Ende des „Tausendjährigen Reiches“ war besiegelt. Deutschland stand an einem historischen Wendepunkt.“

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