Rainbowflash Zwickau 2017

Anlässlich des IDAHOT/IDAHIT fand am 17. Mai 2017 um 17:00 in Zwickau zum ersten mal ein Rainbowflash statt. Dabei geht es um Akzeptanz. Akzeptanz anderer Lebensweisen, denn jeder hat das Recht sein Leben so zu gestalten wie man es möchte. Keiner soll aufgrund seiner Religion, sexuellen Orientierung, Hautfarbe oder Herkunft diskriminiert werden. Für dieses Ziel demonstrierten wir gemeinsam mit vielen Passanten am IDAHOT/IDAHIT für gleiche Rechte, gesellschaftlichen Zusammenhalt und gegenseitigen Respekt  und treten jeder Ideologie der Ungleichwertigkeit entgegen. Selbstbestimmt, offen und diskriminierungsfrei – eine demokratische Gesellschaft muss es allen Menschen ermöglichen, jederzeit und an jedem Ort ohne Angst verschieden sein zu können.

Wir möchten den LSVD, sowie alle Organisationen für ihre Teilnahme danken. Selbstverständlich wird sich ein Rainbowflash im kommenden Jahr wiederholen.

 

 

 

 

Laizismus

Wir sprechen uns für die Trennung von Staat und Kirche aus. Diese Trennung  ist in Deutschland derzeit nicht gegeben.

Religionsunterricht in Schulen

Die staatliche Bildung sollte ein möglichst vielfältiges Angebot der Weltanschauung bereitstellen, dabei aber eine strikt neutrale Position einnehmen.

Das heißt auch, dass die verschiedenen Anschauungen nicht beworben werden dürfen. Es muss sichergestellt sein, dass keine Weltanschauung mehr gewichtet wird als alle anderen. Deshalb muss der konfessionelle Religionsunterricht an Schulen abgeschafft und durch nichtkonfessionellen Philosophie- oder auch Ethik-Unterricht ersetzt werden. Dieser Unterricht behandelt die verschiedensten Weltanschauungsformen wertfrei. Ein weiter Vorteil: in diesem Unterricht kommen Menschen mit verschiedensten Weltanschauungen zusammen, sodass sie sich so über ihre unterschiedlichen Weltbilder austauschen können. Durch diese „Maßnahme“ würde der Einfluss der Kirche und Religion eingedämmt.

Zudem müssen die Kruzifixe, sowie andere religiöse Symbole aus Bildungs- und staatlichen Einrichtungen verschwinden. Sie schränken ein religionsfreies Lernen und Leben ein und sprechen dem Christentum zu viel Bedeutung zu. Wir halten das Anbringen solcher Symbole für einen Akt, der die Neutralitätspflicht stark verletzt. Wir sind jedoch zugleich der Auffassung, dass Angestellte im öffentlichen Dienst, auch im Bildungssektor, religiöse Symbole wie ein Kopftuch oder Kreuz tragen dürfen, da Menschen das Recht auf Individualität haben. Dies gilt auch für Schüler_innen.

Staatliche Subventionen

Projekte der Kirche werden staatlich subventioniert.

Ob und in welcher höher der Staat diese Projekte finanziert ist in einem Gleichgewicht mit anderen Institutionen abzustimmen oder abzuschaffen. Eine faktische Bevorzugung des Staates hinsichtlich der Kirchen lehnen wir ab. Stattdessen sollen Kriterien und Pauschalen für Projekte erstellt werden, um eine Grundlage für alle Institutionen zu bilden.

Die Kirchen besitzen Schulen, Kindertagesstätten oder andere sozial-diakonische Einrichtungen. Die Kirche als Arbeitgeber oder staatlicher Dienstleister hat sich an die allgemeingültigen Kriterien für alle zu richten oder ist explizit und transparent für alle Menschen zu kennzeichnen. Die direkte Finanzierung der Kirchen ergibt sich aus Staatsleistungen, die seit dem sogenannten Reichsdeputationshauptschluss von 1803 an die Kirchen gezahlt werden. Diese waren eigentlich mal Entschädigungsleistungen die schon in der Weimarer Verfassung von 1918 abgeschafft hätten werden sollen. Stattdessen zahlt der Staat auch fast 100 Jahre weiter jährlich Millionenbeträge. Wir fordern die abschließende Abschaffung dieser Zahlungen und damit die Erfüllung des Verfassungsauftrages.

Des Weiteren üben wir Kritik an der längst veralteten Praxis, die Kirchensteuer von staatlicher Seite einzutreiben. In Deutschland ist es erst mit Abschluss des 14. Lebensjahres möglich, aus der Kirche auszutreten, da ab diesem Alter die Religionsmündigkeit eintritt. Das Bekenntnis zum Glauben kostet kein Geld, ein Austritt aus der Kirche jedoch schon. Was ist das für 1 Quatsch?

Wir fordern, dass die Kirche weder direkt noch indirekt staatlich finanziert wird und vom Staat eine neutrale Position vertreten wird.

Prekäre Arbeitsbedingungen

Die Kirche kann ihren Arbeitnehmer_innen kündigen, wenn sie nicht nach den christlichen Moralvorstellungen leben, ihre sexuelle Orientierung oder ihr Lebensstil beispielsweise nicht in das kirchliche Weltbild passt. Auch besitzen kirchliche Arbeitnehmer_innen kein Streikrecht.

Wir fordern einen echten Schutz vor Rassismus und Diskriminierung für alle Arbeitnehmer_innen in Deutschland. Außerdem fordern wir eine Gewährleistung für Arbeitnehmer_innen ihre Rechte einzufordern, ohne dass dabei ihr Arbeitsplatz gefährdet wird.

Tanzverbot und Feiertage

Wir fordern ganz klar eine Abschaffung des Tanzverbotes.

Viele Feiertage in Deutschland haben einen religiösen Ursprung. In manchen Bundesländern herrscht an manchen dieser Feiertage ein Tanzverbot. Wir finden, jeder soll für sich entscheiden, wie er diesen freien Tag gestalten möchte und sich nicht von einer religiösen Einrichtung dazu verpflichten lassen, bestimmte Regeln, welche auch noch staatlich durchgesetzt werden, zu befolgen. Niemandem darf das Beten untersagt werden, genauso wie das Tanzen an einem Feiertag. Die Entscheidung einige bestehende christliche Feiertage durch säkulare Feiertage, oder Feiertage anderer Religionen, zu ersetzen bleibt Bestandteil unserer Forderungen.

Energiewende

Die Bundesrepublik als Vorbild in Sachen Energiewende und Klimaschutz? Wohl kaum! Mit der neuesten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) rauscht Deutschland an der Einhaltung des Pariser Klimaabkommens vorbei. Statt weiter auf den Ausbau von Solar- und Windkraft und anderen regenerativen Energien zu setzen, werden Atom- und Kohlekraft weiter unnötig am Leben gehalten. Vor allem die Kohleverstromung erlebt eine echte Wiederbelebung durch den eingeleiteten Atomausstieg. Es wird mit der „Sicherung von Arbeitsplätzen“ argumentiert, um den Klimakiller Nummer eins längst möglich am Stromnetz zu halten. Dabei hätte der Kohleausstieg eher gestern als heute anlaufen müssen! Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. Verlängern wir den Prozess also nicht unnötig: Die Anreize für die Gründungen von Energiegenossenschaften in Bürger_innenhand und für die Investition in regenerative Energien müssen ausgebaut werden.

Doch es geht uns nicht nur um rein technische Erneuerungen. Es geht um die Überwindung des Kapitalismus! Wir wollen, dass Energiekonzerne wieder in der öffentlichen Hand liegen und dezentral agieren. Nur so kann auch eine Energiewende sozial erträglich und basisdemokratisch funktionieren. Stromversorgung ist ein Grundrecht und darf aus finanziellen Gründen nicht abgestellt werden. Es geht darum, die Machtfrage zu stellen. Kurz und knapp: Es geht um’s Ganze!

Gewerkschaften statt Erbschaften

Arbeit wird gemeinhin als identitätsstiftender Moment gesehen. Die scheinbar harmlose Frage: „Und, was machst du so?“ bezieht sich beinahe immer auf den Inhalt der eigenen (Erwerbs-)Tätigkeit, wobei Menschen stigmatisiert werden, die keiner bezahlten Arbeit nachgehen.

Doch auch das Einsetzen eines Großteils der eigenen Energie in Lohnarbeit, unabhängig davon, ob sie Spaß macht oder als notwendiges Übel erachtet wird, bedeutet noch lange nicht, dass damit der Lebensunterhalt bestritten werden kann oder gar eine gute Altersversorgung in Aussicht steht.

Besonders Menschen mit Beeinträchtigung stehen unter Druck. Aufgrund zugeschriebener geistigen und körperlichen Fähigkeiten ist die selbstbestimmte Wahl des Arbeitsplatzes noch stärker eingeschränkt. Gutachten entscheiden über Werkstatt, Außenarbeitsplatz oder ersten Arbeitsmarkt und zwingen die Betroffen damit in ein unglaublich niedriges Lohnniveau. Hinzu kommt, dass der ohnehin geringe Lohn nur zu einem geringen Teil selbstbestimmt ausgegeben werden kann. Gesellschaftliche Teilhabe wird dadurch stark eingeschränkt. Das Zauberwort Inklusion ist auch im Bereich Arbeit noch lange nicht angekommen.

Derart prekäre Lebensverhältnisse, bei deren trotz Lohnarbeit am Ende des Monats nicht selten weniger als das übrig bleibt, was zum Bestreiten des Lebenserhaltungskosten notwendig ist, sind nicht akzeptabel. Unser Anliegen ist deshalb einerseits die Schaffung von besseren Arbeitsverhältnissen, bei denen alle würdevoll leben können, ohne die eigene Gesundheit in ewigen Schichtsystemen zu zerstören. Andererseits hören unsere Forderungen hier nicht auf. Wir wollen vielmehr Mittel und Wege finden, wie kapitalistische Lohn- und Erwerbsarbeit zurückgedrängt und verringert werden kann. Häufig sehen sich besonders Jugendliche dem Vorwurf ausgesetzt, „noch nichts Ordentliches“ gemacht oder gelernt zu haben, weil Leute in völliger Unkenntnis heutiger gesellschaftlicher Verhältnisse Menschen und deren Werdegang an der normativen Erwartung messen, die sie vor über 20 Jahren selbst eingetrichtert bekommen haben. Dieses kleinbürgerliche Beharren auf stringente Lebensläufe, bei dem eine Lücke das absolute worst-case-scenario darstellt und der menschliche Wert in Zertifikaten, Abschlüssen und Arbeitszeugnissen bemessen wird, schränkt nicht nur die Individualität ein, sondern reproduziert beständig den kapitalistischen und neoliberalen Status Quo.

Die Sucht nach Erwerbsarbeit hat nicht zuletzt zum knallharten Standort-Wettbewerb geführt, zu dessen Gunsten das ganze neoliberale „Reform“-Projekt der Agenda 2010 überhaupt erst ausgerollt wurde. Wenn „Linke“ und Gewerkschafter_innen plötzlich in einer Einheitsfront mit der Arbeitgeberseite stehen, wenn es um die Schleifung von sozialen Rechten geht, wenn es um die „Jobs“ geht, die durch das Abbaggern ganzer Landstriche „erhalten“ bleiben oder wenn wirtschaftlich unterlegene Volkswirtschaften sehenden Auges verarmt und niederkonkurriert werden bis zum Kollaps, dann kann unsere Antwort nur lauten: Nieder mit der Diktatur kapitalistischer Lohnarbeit!

Aber nicht nur Lohnarbeit ist prekär, sondern auch schulischen und akademischen Ausbildungen, Deshalb soll der Bafögsatz vom Gehalt der Eltern abgekoppelt werden und gleichzeitig soweit erhöht werden das ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben möglich wird. Der Bafögsatz soll nicht verschulden (ähnlich Schülerbafög).

Wir wollen die tiefgreifenden sozialen Veränderungen, die mit den Veränderungen der Arbeitswelt einhergegangen sind, nicht zu Gunsten eines Wohlfahrtstaates wie in der BRD der 70er Jahre aufgeben. Freiere und flexiblere Gestaltung des Lebens wollen wir behalten – aber ohne Burn-Out, Armut und permanenten Konkurrenzkampf. Darum hegen wir noch immer große Sympathie für ein Konzept eines linken Bedingungslosen Grundeinkommens.

Drogenpolitik

Durch die aktuelle Drogenpolitik der Bundesrepublik werden Konsumierende kriminalisiert. Die Grenze zwischen legalen und illegalen Drogen ist aus unserer Sicht eine willkürlich getroffene, da sie nicht auf rationalen Fakten basiert. Während Drogen wie Alkohol und Nikotin verharmlost, ja sogar für deren Konsum geworben wird, werden illegalisierte Substanzen und deren Konsum stigmatisiert und verteufelt. Diese repressive Rechtslage hindert Menschen jedoch nicht daran, sich den gewünschten Rausch trotzdem zu verschaffen, was dazu führt, dass Konsumierende häufig  über mögliche Nebenwirkungen und Risiken aufgeklärt werden.

Die Bundesrepublik gibt 84% des Budgets zur Umsetzung ihrer Drogenpolitik (1,6 Mrd. €uro) für Repression (z.B Strafverfolgung) aus und liegt damit an der europäischen Spitze. Aus unserer Sicht findet das Geld in der Präventionsarbeit bessere Verwendung. Damit eine sinnvolle Aufklärung gewährleistet werden kann, setzen wir uns also dafür ein, dass durch eine bessere Finanzierung der Präventionsarbeit freier Träger individuelle Beratung und Aufklärung stattfinden kann.

Durch Aufklärung allein kann jedoch nicht dem Risiko vorgebeugt werden, dem sich Konsumierende aussetzen, wenn sie verunreinigte Substanzen konsumieren. Das Beimischen von Streckmitteln erhöht das gesundheitliche Risiko und das Auftreten von ungewünschten Nebenwirkungen beim Konsum deutlich. Auch, dass Konsumierende nicht über den Wirkstoffgehalt Bescheid wissen, kann gefährliche Konsequenzen haben. Beispielsweise kam es vermehrt zu Bleivergiftungen beim Konsum von Cannabis, da Blei als Streckmittel benutzt wurde. Aus diesem Grund fordern wir legales DrugChecking in Apotheken und Konsumorten. Um dem unfreiwilligen Konsum von unerwarteten Zusammensetzungen vorzubeugen, fordern wir des Weiteren die Einführung von lizensierten Abgabemodellen.  Es wäre denkbar, z.B. in Apotheken Abgabestellen für Substanzen einzurichten. Dadurch wird gewährleistet, dass Personen, die Rauschmittel konsumieren wollen, vor dem Konsum von medizinischem Fachpersonal beraten und aufgeklärt werden. Außerdem können genaue Angaben zur Dosierung gemacht werden.

Weiterhin ist für uns die derzeitige Situation bei der Therapie von Suchterkrankter nicht hinnehmbar. Es fehlt an Therapieplätze und mangelt an Ärzt_innen, was zu hohen Wartezeiten in Fachkliniken führt, selbst wenn es sich bei den Betroffenen um akute Fälle handelt, sodass wir auch hier eine bessere Finanzierung fordern.

Alles in allem wollen wir weg von der aktuell repressiven Drogenpolitik, hin zu einer präventiven Politik, bei der die Gesundheit der Konsumierenden im Vordergrund steht und sie in die Lage versetzt selbstbestimmt und aufgeklärt ihr Recht auf Rausch wahrnehmen zu können.

Wahlrecht für alle!

Alle Menschen, welche von den Entscheidungen einer politischen Institution betroffen sind, sollten in die Wahl dieser einbezogen werden und damit Mitspracherechte erhalten. Der Ausschluss von Menschen bei Wahlen gehört abgeschafft.

Zur Bundestagswahl 2013 waren beispielsweise  nur 61.946.900 Menschen stimmberechtigt – daraus folgt dass circa 20 Millionen Menschen, welche in der Bundesrepublik Deutschland leben, von der Wahl ausgeschlossen waren. Menschen, die das 18. Lebensjahr zum Wahlzeitpunkt noch nicht vollendet hatten und Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit.

Obwohl alle Minderjährigen jahrelang die Folgen einer Politik zu spüren bekommen, die von den „Älteren“ gewählt wird, haben sie nicht die Chance, selbst Einfluss zu nehmen. So fehlt beispielsweise bei wichtigen sozial- bzw. bildungspolitischen Themen immer wieder eine starke junge Stimme. Deshalb fordern wir, dass alle Menschen, unabhängig ihres Alters, das Recht und die Möglichkeit erhalten, an Wahlen teilzunehmen. Das Ziehen einer jedweden Altersgrenze ist nichts als ein willkürlicher Ausschluss von Möglichkeiten demokratischer Partizipation. Wann und wie die Unter-18-jährigen von ihren Rechten Gebrauch machen, soll ihnen genauso frei überlassen sein, wie allen anderen Wähler_innen.

Ein Familienwahlrecht lehnen wir strikt ab, hierbei würden die Eltern, die Stimme des nicht-wahlberechtigten Kindes übertragen bekommen. Eine Wahl ist ein höchst persönliches Recht, welche frei von jeglicher Manipulation möglich sein muss. Auch Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit wird der Zugang zum Wahlprozedere noch immer verwehrt. Gerade vor dem Hintergrund, dass die deutsche Gesellschaft sich bereits seit Jahrzehnten zur Einwanderungsgesellschaft transformiert, ist dies ein für uns unhaltbarer Fakt. „Nichtdeutsche“ haben in Deutschland viel zu häufig keine politische Stimme oberhalb der kommunalen Ebene, obwohl gerade sie häufig in besonderem Maße von politischen Entscheidungen betroffen sind. Das muss sich ändern. Darum fordern wir, dass jeder Mensch dort die Möglichkeit zu wählen bekommt, wo er oder sie seinen oder ihren Lebensmittelpunkt hat.

„Neben dieser Ungerechtigkeit brauchen wir endlich auch auf Bundesebene basisdemokratische Elemente! Für die Menschen, die in Deutschland leben, soll es sich wieder lohnen, sich wenigstens mit der Politik der Großen auseinanderzusetzen und den Parteien auch einmal selbst einen Vorschlag zu unterbreiten. Deshalb brauchen wir Einwohner_innenentscheide und Einwohner_innenbegehren. In Zusammenhang mit Einwohner_innenentscheiden und Einwohner_innenbegehren sind Menschenrechte und Grundrechte ausgeklammert. Über diese darf nicht abgestimmt werden.

Zudem fordern wir, dass Entscheidungen von Parlamenten durch Einwohner_innenbegehren und -entscheide rückgängig gemacht werden können.

Viele Wähler_innen haben zudem in den letzten Jahren einer Partei ihre Stimme gegeben, welche dank der 5%-Hürde nicht ins jeweilige Parlament kam. Der Wille von knapp sieben Millionen Wähler_innen wird damit beispielsweise derzeit nicht von Abgeordneten im jetzigen Bundestag vertreten. Eine solche Sperrklausel ist undemokratisch. Bei einer Demokratie, bei der die Macht von der Bevölkerung ausgeht, müssen wir uns auch mit unangenehmen Aussagen und Positionen auseinandersetzen und sie nicht aufgrund einer Sperrklausel ignorieren. Das Argument der Zersplitterung des Parlamentes kann im Jahr 2016 nicht überzeugen.  In der Weimarer Republik, die gerne als historische Begründung für die Sperrklausel herhalten muss, hätte unter einer Sperrklausel weder die republikfeindliche NSDAP gelitten, noch die republikkritische KPD.

Viele Abgeordnete sind seit mehr als zwanzig Jahren im Bundestag! Solche überzogenen Legislaturen müssen beendet werden! Alle Abgeordneten des Bundestages sollen nicht mehr als drei Legislaturperioden im Parlament sitzen dürfen. Hier wird gewehrt, dass Deutschland nicht zu lange von nur einer Person regiert wird und außerdem kommt frischer Wind in den  Plenarsaal.

Damit wir aber den ganzen Apparat etwas entstauben, treten wir dafür ein, die überflüssige Position des* Bundespräsident_in zu streichen! Wer braucht schon einen Posten, der uns nur Geld kostet und niemandem wirklich etwas politisch nützt. Noch dazu wird dieser Präsident von einer Versammlung gewählt, zu der nur ein klitzekleiner Teil aller Einwohner_innen in Deutschland Zugang hat! Das Geld, was derzeit noch für Bundespräsidenten und Altpräsidenten ausgegeben wird, sollte lieber sozialen Zwecken zukommen!

Europa

Europa und Deutschland sind nicht zu trennen. Die deutsche Regierungslinie hat unmittelbare und direkte Folgen auf das Schicksal von hunderten Millionen Menschen in ganz Europa. Insbesondere die Ideologie der „schwarzen Null“, also der massiven staatlichen Sparpolitik, die als „Austeritätspolitik“ berüchtigt wurde und zum großräumigen Abbau sozialer Leistungen geführt hat, hinterlässt Europa als verarmtes Trümmerfeld. Die europäische Solidarität fängt dabei an, den deutschen Hegemon als das zu kritisieren, was er ist: der neoliberale Zuchtmeister, der Europa zunächst als Billiglohnland mit Exportüberschüssen verarmt hat, und nun den finanzpolitischen Flächenbrand mit Benzin zu löschen zwingen versucht.

Die erste und sinnvollste Maßnahme zur Rettung der europäischen Idee vor nationaler Borniertheit und dem Aufstieg autoritärer Bewegungen ist daher: Weg mit der „schwarzen Null“, Schäuble und der CDU!

Gleichzeitig muss bedacht werden, dass eine Aufweichung von Grenzen innerhalb Europas durch Schengen und dem Konzept der „grünen Grenzen“ mit einer Befestigung der europäischen Außengrenzen einhergeht. Eine Forderung nach offenen Grenzen darf nicht am Mittelmeer oder am Bosporus enden.

Die Festung Europa, egal ob sie Ausdruck in Zäunen oder in Frontex findet, muss bekämpft werden. Europa muss ein Ort für alle Menschen werden, unabhängig von Staatsbürgerschaft, Herkunft, Hautfarbe, Gender, sexueller Orientierung oder Glaube.

Eine europäische Vergemeinschaftung darf nur positiv im Sinne des Wegfalls von Grenzen, nicht negativ im Sinne der Verlagerung von Grenzen sein. Dabei ist egal ob diese Grenzen nun materiell oder in den Köpfen der Menschen sind.

„Aus den Gründen brauchen wir ein sozial gerechtes Europa! Dabei hegen wir den Traum einer sozialistischen EU, die für die Menschen da ist.

Recht auf Stadt

Das „Recht auf Stadt“ stellt eine Kernforderung linker Diskurse dar – unabhängig davon, ob sie im urbanen oder im ländlichen Raum geführt werden. Recht auf Stadt beinhaltet viele Forderungen, die aber alle darauf abzielen, eine Stadt für alle Menschen attraktiv und erlebbar zu machen, unabhängig vom sozialen Status, dem Einkommen oder der Herkunft. Dafür ist es nicht hinnehmbar, dass Mieten immer teurer werden und Menschen mit niedrigerem Einkommen in die Randbezirke gedrängt werden. Ebenso wenig kann hingenommen werden, dass Gebäude aus Kalkül und Spekulationsgründen leer stehen und verrotten, dass kulturelle Angebote danach bemessen werden, ob sie „schwarze Zahlen“ schreiben und anderenfalls geschlossen werden oder dass statt sozialem Wohnungsbau allerorts Luxussanierungen durchgeführt werden.

Recht auf Stadt bedeutet auch das Recht auf linke, selbstverwaltete Freiräume und auf eine unkommerzielle und unkomplizierte Nutzung von Flächen. Wohnraum und städtisches Territorium dürfen nicht mehr im Sinne einer neoliberalen Verwertungslogik als Ware wahrgenommen werden, sondern müssen wieder den Menschen zur Verfügung stehen, die ihn bewohnen oder es nutzen.

Recht auf Stadt bedeutet letztendlich also dein Recht der eigenen Selbstverwirklichung in der Stadt deiner Wahl!

Mindestens genauso wichtig ist es jedoch, dafür zu Sorge zu tragen, dass das Recht auf Stadt auch in der Provinz Einzug hält. Viele junge Menschen erleben besonders in den ländlichen Gebieten Dunkelsachsens eine bittere Trost- und Perspektivlosigkeit, deren Ergebnis nicht nur ist, dass sich junge Menschen nicht erst nach Erlangen des Schulabschlusses in Richtung der großen Städte orientieren (natürlich ohne das irgendwem zum Vorwurf machen zu können) und die Provinz somit nur weiter ausblutet , sondern auch darin, dass in dünn besiedelten Gebieten das Verbreiten fremdenfeindlichen und allgemein unemanzipatorischen Gedankenguts zunehmend einfacher wird.

Die Spirale der Trostlosigkeit bekommt so nur immer weitere Wirbel. Wir fordern, dass jugendkulturelles Engagement in der Pampa stark gefördert, statt kaputtgespart wird. Wir fordern, dass der ÖPNV so ausgestaltet wird, dass kein Dorfkid sich bei möglicherweise nächtlichen, winterlichen und besoffenen Radtouren in Lebensgefahr bringen muss, um nach Tätigkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe (z. B. Party, Chillen am See, Shoppen, Bandprobe, Sprayen, Skaten, Schul-AG’s, Kino [wenns das auf dem Dorf gäbe, lol] wieder nach Hause zu kommen.

Wir fordern, dass das 21. Jahrhundert auch in Form von Breitbandanschlüssen und Mobilfunkabdeckung endlich auf dem Land Einzug hält.

Kurzum fordern wir, dass die Jugend auf dem Dorfe nicht alleingelassen wird. Recht auf Stadt, auch auf dem Land!